HUMAN DESIGN, Heck oder Hintern?


Wann gefallen uns Formen, Silhouetten? Wenn sie sexy sind! Wann sind sie sexy? Wenn Sie eine Silhouette haben, die z. B. an die reizvollen Rundungen einer Frau erinnern. Oder an die kräftige Muskulatur eines Sportlers.

 

Eine Vase, eine Lampe, ein Auto das in seinem Styling diese Elemente enthält, ist ein Human Design.


E Klasse Mercedes (Walter Matthau grüßt Dr. No)

Die Sicken und in allen erdenklichen Winkeln zueinander unpassenden Furchen und Falten lassen die E Klasse alt aussehen, ja sie wirken fast wie Narben, die die Oberfläche unterbrechen und deshalb uneinheitlich und wenig Charaktervoll auffallen; wie hieß es noch bei Walter Matthau? Ein Gesicht wie das Laken eines nicht gemachten Bettes. Faltenglättung mit Botox oder Füllsubstanzen wie Hyaluronsäure wären hier angeratenen.

Der Gesichtsausdruck wird von einem viel zu kleinen Schlitzauge geprägt, geteilt zu einem viel zu großen Tränenpunkt. Dr. No, der Widersacher von James Bond im gleichnamigen Film, sah besser aus! Diese Gesichtszüge passen zu einem Lexus, wo das asiatische Gesicht zur Herkunft passt und zu einem eigenständigen Stil mutiert, aber bei einem Mercedes? Die E Klasse hat gerade ein neues Gesicht bekommen, wo die verschlafenen kleinen Augen des früheren Models glücklicherweise weggefallen sind. Etwas Botox hat die Sicken und Kanten gelindert, aber harmonisch ist etwas anderes.


Peugeot SR1 Concept Car (Das Charaktergesicht)

Selbstverständlich können Falten auch Charakter zeigen, bei Menschen wie bei Fahrzeugen! Dann sollten sie aber harmonisch zueinander passen; ein charaktervoller Faltenverlauf zeigt sich beim Peugeot SR1 Concept car. Die Augenstellung steht angedeutet nach oben außen, wie die Augenbrauen von Sharon Stone, so dass der "Blick" konzentriert und interessant wirkt. Wiederholt ziert ein offenes Parallelogramm die Formen: es wirkt sehr stimmig, wie passend ausgewählter Schmuck; seitlich suggeriert es Kraft, als wenn die letzte Muskelfaser zum entscheidenden Sprung angespannt wär.


Volvo S60 (Der freundliche Nasenbär)

Das Gesicht des neuen Volvo S60 weckt Sympathien: es lächelt und wirkt auch mit seiner sehr großen Nase freundlich, wie ein Nasenbär: An der Front zeigen die Kurven unter der Stoßstange eine positive Lachlinie nach oben (im Gegensatz zum BMW X1, dessen Mundwinkel  ähnlich wie bei einer bekannten Politikerin nach unten zeigen).

Auch die seitlichen Linien verlaufen wie bei einer attraktiven jugendlichen Figur, ohne Schnörkel, ohne Falten, mit interessanten Proportionen, die in einem knackigen nicht zu ausladendem Hinterteil auslaufen.


Alfa Giuletta (Pinocchio, der Vogel)

Groß aufgerissene, kindliche Augen wecken den mütterlichen Reflex des „Oh wie süß!“: Viele Kleinwagen wecken diese Emotion, um die Gunst vornehmlich der weiblichen Kundschaft zu mobilisieren, wie der Fiat 500 oder der Mini. Beim Alfa Giuletta wird über das Ziel hinausgeschossen: die Ostereier als Scheinwerfer mit dem Schnabel dazwischen erinnern eher an einen Vogel als an das Knuddelbaby. 

Wohlwollender begutachtet könnte die spitze Nase mit den ovalen Augen auch als Pinocchio Gesicht durchgehen. Die seitliche Linienführung allerdings versucht Assoziationen zu den Rundungen der großen Geschwister Alfa 8C und Alfa 8C Cabrio zu wecken, deren Silhouette wie die einer liegenden Frau hinreißend ist.


Audi A8 (verschmierter Lidschatten)

Audi war die erste Marke, die im Scheinwerfergehäuse leuchtende Tageslichtdioden verwandt hat: Stilelemente, die man mit geschminkten Augen assoziiert. Mit den Augen Make Up des neuen A8 zeichnet Audi ansatzweise leider eine Formgebung, die schon bei Porsche die kurze aber nicht gerade ästhetische Spiegelei-Scheinwerfer Epoche ausmachte: Das Triefauge, wie bei einem Bernadiner, das man beim Menschen stets operativ zu korrigieren versucht, um ein Austrocknen der Bindehaut zu verhindern. Beim neuen Audi A8 ist es nicht so ausgeprägt, deshalb könnte man es auch für verschmierten Lidschatten halten, wie bei einer Frau, die sich am Abend abzuschminken vergessen hat. 

Schade, die Linienführung zeigt sich sonst schnörkellos, schlicht, glatt, wie eine sportliche Silhouette; gerade gezogene Linien am ganzen Body suggerieren kräftige Muskelfasern.


Audi A1 (Frühreifer Schönling)

Den „Oh wie niedlich!“ Reflex wird dieses Fahrzeug nicht wecken; dazu sind die Augen zu wenig niedlich aufgerissen (S. Fiat 500 oder Mini); er soll schon erwachsen wirken, sogar mit einem leicht nach unten außen überzeichneten Lidschatten wie beim Größten aus der Familie, dem A8. Selbst am Heck sind die Heckleuchten sehr streng gezeichnet. Auch die Familiennase ist schon überproportional angelegt. Und das Dach sieht aus, als wenn ein falsch aufgesetztes Käppi das Haupt zieren würde. 

Die seitlich in anderer Farbe angelegten Rundungen zwischen Türen und Dach wirken wie sauber gekämmte Scheitel. 

Der übrige Corpus ist durchtrainiert und ohne Fettpolster, die die Sicht zu wichtigen Arealen verhindern würden. Ein frühreifer Schönling, kein putziger Kleiner.


BMW 5-er Reihe (Abschied von Dame Edna)

Endlich hat der neue 5 er BMW die Schmetterlingsbrille von Dame Edna abgelegt. Die neuen Augen sehen ohne Sehhilfen viel besser aus und fügen sich jetzt harmonischer ins Gesicht: leicht zusammengekniffenen wirken sie konzentriert, die breite Nase wittert durch die großen Nüstern der Doppelniere das Weite; hier wirkt es weltmännischer als beim Gran Tourismo, oder dem neuen 7-er, wo sie wie nach einem Boxkampf platt gedrückt wurde.

Ein eleganter seitlicher Streifen, hier leider nicht ganz so durchgängig angelegt wie an einer Smokinghose, prägt die Seitenlinie: wie schon beim Alfa 166 betont sie eine attraktive Silhouette, die auf das Gesäß mit markanten Rückleuchten weist.


SUVs: (Dick machende Cortisonspritzen für Sportwagen)

Fahrzeuggattungen wie SUVs haben es ästhetisch nicht leicht: Möglicherweise liegt das an der schweren Aufgabe eine Kreuzung aus einem geländegängigen Kleinlaster und einem Sportwagen zu schaffen; auch ein plastischer Chirurg, der aus Brigitte Nielson einen Silvester Stalone modellieren soll, wird da ästhetisch an seine Grenzen stoßen.


Kia Sportage (Saures auf Stelzen)

Der Kia Sportage ist ein typischer Vertreter dieser ästhetisch unlösbaren Aufgabe: Ein Gesicht ärgerlich verzogen, als wenn es gerade etwas saures geschluckt hätte, mit einem Hintern pardon, einem Heck, das in die Höhe nicht weiter zu strecken ist. Zudem fällt hier die Hochbeinigkeit auf, als wenn er auf Stelzen daher käme. Schön sieht anders aus ...


Porsche Cayenne (Der 911 im Streckspiegel)

Auch geliftet hat der Porsche Cayenne das stilistische SUV Problem nicht lösen können: Nach wie vor handelt es sich um das sportliche Gesicht eines 911-ers im Streckspiegel; das gefälliger gezeichnete Antlitz ist bemüht, das frühere Triefauge zu korrigieren; der Erfolg dieses Modells ist weniger seiner mit vielen Steroiden aufgepeppt Formvollendung zu verdanken als seinem Namen.


Mitsubishi Outlander (Der Mops)

Der Mitsubishi Outlander lenkt vom Verzerrspiegel ab, indem er wie ein Zahnloser daherkommt: wie beim Mops ist die Schnauze derart nach oben gezogen, als wenn dem Unterkiefer die Beißer fehlten; solche Gesichtern zu harmonisieren ist aus plastisch chirurgischer Sicht eine Herausforderung.


Mini Countryman (Der Schilddrüsenkranke)

Bei der gelungen harmonisch gebliebenen Gesamtlinie des Mini SUVs Countryman (nur das Schwalbenschwänzchen an der Hecktür sieht unfrisiert aus, der alte Audi A2 lässt grüßen), haben die Augen etwas mitbekommen: Offensichtlich sollen diese erwachsener als beim Original wirken. Der ganze Wagen ist ja nun auch größer geworden, also sollten die Augen nicht mehr zu kindlich wirken. Der Augapfel fällt beinahe aus der Karosse, ein Befund, der bei Menschen eine Schilddrüsenüberfunktion offenbart; so etwas wird „Exoph-thalmus“ genannt und schreit förmlich nach operativer Korrektur. Schade, der übrige Eindruck von Gesicht und Körpers ist gerade für ein SUV- Fahrzeug sonst stimmig.


Dacia Duster (DD Cup)

Kommt ziemlich mollig daher, der Dacia Duster. Nomen est omen: Duster-düster die Linienführung fürs Schlankheitsideal: dicke Backen, breiter Hintern, kräftige Treter, die technische Hausmannskost wird im Kleid einer Landpomeranze geboten. Elegantes Auftreten wird hier weniger geboten, eher bodenständige Qualitäten. 

Das seitliche Profil vorne zeigt außerdem eine Auffälligkeit: die Frontpartie wirkt an das Passagierteil nach oben versetzt angeklebt, wie bei einer zu weit oberhalb der Augenbrauen ansetzenden Hakennase.


BMW X1 (mit den Marionett Falten einer der mächtigsten Frauen der Welt)

Die erste Serie zeigte nach unten gezogene Mundwinkel, wie beim Gesichtsausdruck des Ekels! Hier hat das Face Lift der jetzt auf dem Markt befindlichen Serie Linderung bewirkt: Die unschönen Falten seitlich vom den Mundwinkeln wurden gemildert. ja als wenn eine Zahnspange nachgeholfen hätte.


Ssangyong Rodius (Der Glöckner von Notre Dame)

Dieses inzwischen glücklicherweise nicht mehr angebotene Auto ist ein Höhepunkt misslungenen Designs! Die angeklatschte hintere Dachpartie sieht wie ein krummer Nacken erste Serie zeigte nach unten gezogene Mundwinkel, wie beimaus und erinnert unweigerlich an den Glöckner von Notre Dame.

Mai 2013:


Der Rollenanzug! Wow! Hiermit wird der Mensch in der Relation so schnell wie manches Insekt!

Buchtipp


Mit über 40 Geschichten in 16 Kapiteln ermöglicht Dr. med. Joachim Graf Finck von Finckenstein dem Leser erstmals einen abwechslungsreichen, humorvollen Einblick in die glamouröse und zugleich recht menschliche Welt der so genannten „Schönheitschirurgie“. Amüsante Missverständnisse zwischen abstehenden Ohren und krummen Nasen, kuriose Selbstwahrnehmungen mancher Patienten, peinliche „Fettnäpfchen“ von Partygästen und lustige Merkwürdigkeiten im Alltag eines Schönheitschirurgen stellen diese Branche nicht besser oder schlechter, aber sicher sympathischer dar.

Ernst Haekel war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Zoologe aus Jena, der sich mit der Evolutionstheorie von Darwin und dem Monismus beschäftigte. In diesem Buch gibt er sein Empfinden wieder, dass die dort abgebildeten zoologischen und botanischen Formen kunstvoll erscheinen. Ja, hier und da hat man den Eindruck, sogar den Jugendstil der damaligen Zeit abgebildet zu sehen. Ein sehr frühes Werk, das sich an das anlehnt, was Human Design zum Ausdruck bringen möchte.